Wareneingangsprüfung rechtlich unverzichtbar

  • Wareneingangsprüfung


    Der Nachweis dokumentierter Lieferantenbeurteilungen und Wareneingangsprüfberichte stellt Unternehmen mit internationalen Zulieferern häufig vor Probleme. Scheindokumente können zwar kurzfristig zum ISO-Zertifikat verhelfen, jedoch nicht die nachhaltigen Vorteile eines effizienten QM-Systems ersetzen


    Ausländische Zulieferer haben heute oft noch kein Qualitätssicherungssystem eingeführt, und auf dem Weltmarkt wird sich an dieser Situation noch über Jahre kaum etwas ändern. Wo QM-Systeme eingeführt sind, wird manchmal das ISO 9000-Zertifikat als ausreichende Lieferantenbewertung hingenommen, weil für eine korrekte und erst nachträgliche Lieferantenbewertung und -qualifizierung Geld und Zeit im erforderlichen Maß nicht mehr zur Verfügung stehen. Trotzdem haben die Lieferanten von Schätzle in Eigenverantwortung über lange Zeiträume Ware geliefert, die kein Anlass zu Beanstandungen gab. Für eine Zertifizierung fehlten jedoch dokumentierte Lieferantenfreigaben, die Bestellangaben bzw. Lieferspezifikationen waren unvollständig, und Kriterien für eine qualitative Wareneingangsprüfung waren häufig nicht festgelegt.
    Doch wenigstens für die Lieferantenbeurteilung sollten irgendwelche Prüfergebnisse vorliegen, und deshalb konzentrierte man sich auf die Prüfaussetzung. Dies ist die problemloseste Wareneingangsprüfung, die bei vielen Zukaufteilen dort praktiziert wurde, wo keine Kundenreklamationen vorlagen. Bei Zukaufteilen mit mehr Einfluss auf die Produktqualität wurde eine besondere Wareneingangsprüfung mit Prüfkriterien aufgebaut, die meist aus Kundenreklamationen stammten – ohne Beteiligung der Entwicklungsabteilung oder des Zulieferers.
    Selbstverständlich ist in einer wirksamen Qualitätssicherungskette die detaillierte Absprache zwischen Hersteller und Verarbeiter über die anzuwendenden Abnahmekriterien von entscheidender Bedeutung. In der damaligen Situation war es jedoch für alle Beteiligten unklar, wie ein teilebezogener, anforderungsgerechter und zwischen beiden Partnern abgestimmter Prüfplan für seit langem beschaffte Zukaufteile entstehen sollte. Konkret stellten sich einige Fragen bezüglich des Prüfplans:
    Wer legt die Prüfmerkmale jetzt noch fest?
    Wer muss diesen jetzt prüfen und freigeben?
    Wie können zukünftige Prüfergebnisse mit denen des Zulieferers verglichen werden?
    Wie kann eine Rückverfolgbarkeit der Prüfdaten oder eine Zuordnung der Prüfergebnisse zum zugehörigen Lieferlos im Falle einer Reklamation erreicht werden?
    Wie sieht die vollständige Bestellspezifikation aus?
    Wie können die jetzt entstehenden Kosten der Wareneingangsprüfung wirtschaftlich noch gerechtfertigt werden?
    Diese Fragen hemmten den notwendigen Aufbau eines Prüfplans zur Wareneingangsprüfung, obwohl dieser aus Gründen der Produkthaftung unverzichtbar ist und im Schadensfall auch die oberste Geschäftsleitung in eine kritische Lage bringen kann.


    Quelle:http://www.qm-infocenter.de/