Die neue IATF 16949:2016

  • Wissenswerte Neuerungen und Änderungen


    QMS effectiveness.


    Die oberste Leitung trägt künftig mehr Verantwortung für ihr Qualitätsmanagementsystem (QMS). Bei der IATF 16949:2016 wird die Unternehmensleitung stärker in die Pflicht genommen, selbst für die Wirksamkeit und Leistungsfähigkeit des QMS zu sorgen. Führungskräfte sollen in ihrer Führungsrolle für das QMS gestärkt werden, damit alle Mitarbeiter eines Unternehmens sinnvoll ihren Beitrag für die Wirksamkeit des QMS leisten können.


    Quality is the Key.


    Die offizielle Benennung eines QM-Beauftragten (auch BdoL = Beauftragter der obersten Leitung) wird von der IATF 16949:2016 nicht mehr gefordert. Die bisherigen Aufgaben eines QM-Verantwortlichen bleiben natürlich bestehen. Die Festlegung von Rollen, Verantwortlichkeiten und Befugnissen sollen künftig für ein funktionierendes QMS sorgen. Dadurch erhöht sich die Fürsorgepflicht für das QMS auch für die oberste Leitung eines Unternehmens.


    Risk Analysis


    Das Thema Risikoanalysen erhält einen höheren Stellenwert im QMS. Die IATF 16949:2016 fordert einen systematischen Umgang mit Risiken im Rahmen eines unternehmensübergreifenden „risikobasierten Ansatzes“. Bekannte Qualitätswerkzeuge wie die FMEA oder SWOT-Analyse bieten Möglichkeiten, dieser Forderung nachzukommen. VDA Automotive SPICE® und CMMI helfen im Bereich Software Assessment. Definierte Vorgehensweisen zum Thema Funktionale Sicherheit von Produkten sind in Normen wie der ISO 26262 hinterlegt.


    Information & Traceability.


    Die Möglichkeiten zur Gestaltung der QM-Dokumentation werden individueller. Die IATF 16949:2016 passt sich heutigen Unternehmensrealitäten an, in denen Dokumentationen häufig bereits EDV- oder webbasiert abgebildet werden. Die bisherigen Begriffe „Dokumente“ und „Aufzeichnungen“ werden zu „dokumentierte Informationen“ zusammengefasst. Produktrückverfolgbarkeit zur Eingrenzung von Fehlern und zur Nachweisführung der Wirksamkeit von Prozessen ist ebenfalls Schlüsselelement der neuen Norm. Mit so oder dem Einsatz von PLM-Systemen kann diese Forderung erfüllt werden.


    High Level Structure (HLS)


    Die IATF 16949:2016 wird auf die High Level Structure (HLS) adaptiert. Die HLS ist eine übergeordnete Struktur, die den Aufbau neuer und überarbeiteter ISO-Management-Normen vereinheitlichen soll. Sie besteht aus zehn Abschnitten. Alle großen Management-Normen teilen sich zukünftig diese Struktur (z.B. ISO 14001, ISO 9001 usw.). Die Integration von verschiedenen Normen im Unternehmen wird einfacher, da sie einheitlich auf der HLS basieren. Ergänzender Hinweis: Die IATF 16949:2016 kann nicht mehr als „Stand-Alone“ Standard zertifiziert werden, sondern nur noch im Verbund mit ISO 9001:2015.


    Process Orientation


    Der bislang prozessorientierte Ansatz des QMS wird in der IATF 16949:2016 noch weiter verstärkt, die Anforderungen in einem eigenen Unterkapitel sogar spezifiziert. Prozesseingaben (Inputs) und Prozessergebnisse (Outputs) müssen festgelegt werden. Die Messung von Leistungsindikatoren (Kennzahlen) oder die Festlegung von Verantwortlichkeiten sind künftig vorgegeben. Im Fokus stehen unter anderem Produkte mit integrierter Software und das Management des Gewährleistungsprozesses (NTF – no trouble found).


    Corporate Reponsibility


    Das Qualitätsmanagement muss in die strategische Ausrichtung des Unternehmens eingebunden werden – Stichwort „Corporate Reponsibility“ (bzw. Unternehmensverantwortung). Die Geschäftsführung hat sicherzustellen, dass Qualitätspolitik und Qualitätsziele mit der strategischen Ausrichtung und dem Kontext des Unternehmens vereinbar sind. Corporate Responsibility im Sinne der IATF 16949:2016, bedeutet die Festlegung von nachfolgenden Grundsätzen: Eine Antikorruptionspolitik, einen Verhaltenskodex für Mitarbeiter und eine Ethik-Eskalationspolitik (engl.: whistleblowing policy).



    Communication & Knowledge Management


    Die neue Norm fordert die Ermittlung, Steuerung und Kommunikation des im Unternehmen vorhandenen Wissens (Wissensmanagement). Es muss künftig aufrechterhalten und vermittelt werden. Dies fordert die ISO 9001:2015 mit einem eigenen Normpunkt. (Ergänzender Hinweis: Die IATF 16949:2016 kann nicht mehr als „Stand-Alone“ Standard zertifiziert werden, sondern nur noch im Verbund mit ISO 9001:2015.) Geeignete Plattformen zur Wissenserhaltung und Wissenskommunikation müssen definiert werden. Softwaregestützte Lösungen bieten sich an, diese Forderung zu erfüllen. Informations-Management-Systeme (IMS), Content-Management-Systeme (CMS) oder Dokumenten-Management Systeme (DMS) können als Wissens-Management-Systeme eingesetzt werden.


    Stakeholder


    Das Umfeld (Kontext) der Organisation muss umfassender betrachtet werden. Bei der IATF 16949:2016 sind die Belange der unterschiedlichen Interessensgruppen (Stakeholder) wie z.B. Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Geschäfts- und Finanzpartner, Behörden etc. zu berücksichtigen, zu bewerten und zu überwachen. So stehen unter anderem auch die Beziehungen zu Unterlieferanten und externen Partnern im Fokus dieser neuen Norm.


    Quelle : QAS Company kompletter Text